Bechsteinfledermaus - Myotis bechsteinii


Die Bechsteinfledermaus ist in Sachsen-Anhalt in Laubwald- bzw. Laub-Nadelwaldgebieten verstreut verbreitet. Die Bechsteinfledermaus bevorzugt Laubwaldgebiete mit einem hohen Anteil höhlenreicher Eichenbestände. In Lagen über 500 m im Harz, in den Fichtenregionen, im Nordosten in der Klietzer Heide und im Stadtforst Havelberg, sowie im Osten in der Glücksburger Heide fehlen Nachweise von der Art.

Bechsteinfledermaus im Winterquartier

Bechsteinfledermaus im Winterquartier

Die nicht oder kaum forstlich bewirtschafteten Hangwälder in den Naturschutzgebieten Bodetal und Selketal sowie in den Nord- und Südharzkanten bilden die Verbreitungsschwerpunkte der Art in Sachsen-Anhalt. Reproduktionsnachweise gelangen seit 10 Jahren regelmäßig in einem Kastengebiet bei Blankenburg und gelegentlich im Buntspechthöhlen im Selketal bzw. im Südwesten der Colbitz-Letzlinger Heide. Die Bechsteinfledermaus ist in Sachsen-Anhalt keine „Kastenfledermaus“, anders als im Süden von Deutschland. Winternachweise gelangen gelegentlich im Harz bzw. bis 15 Individuen in den Eiskellern von Gardelegen und Klötze. Die Bechsteinfledermaus hält sich im Winter in tiefen Spalten von Höhlen und Stollen im Harz und in den Spalten der Eiskeller in der westlichen Altmark schwer nachweisbar auf. Vom 18.02.2002 bis 30.04.2004 wurden in 127 Fangnächten von der Abenddämmerung bis zur Morgendämmerung in der Gipshöhle Heimkehle im Südharz 2931 Fledermäuse in 12 Arten gefangen und markiert. Nur 76 Individuen der Bechsteinfledermaus wurden durch Netzfänge in der Höhle nachgewiesen. Sie gehört in der Heimkehle und in anderen Harzer Höhlen zu den seltenen Fledermausarten in Sachsen-Anhalt. Bislang fehlen Beobachtungen von Winter schlafenden Tieren aus den Höhlen im Sulfat-Karst im Südharz bzw. aus dem Carbonat-Karst bei Rübeland. Die Hauptschwärmzeit der Bechsteinfledermaus in den Karstgebieten vor Höhlen im Harz erfolgt zwischen dem 25.08. und 15.09. eines jeden Jahres. Großräumige Wanderungen werden von der Art nicht durchgeführt, jedoch gehört zum Home-Range Verhalten, dass Individuen beispielsweise aus dem Reproduktionsgebiet bei Blankenburg in ein 12 km entferntes Schwärmquartier bei Rübeland fliegen.

In Wirtschaftswäldern hat es die Art besonders schwer, da mit der einhergehenden Intensivierung der Holzproduktion ihre Lebensräume zerstört werden. Im waldarmen Sachsen-Anhalt wird daher die Art zunehmend reliktartig in Großschutzgebieten vorkommen.

Die Kenntnislage der Wochenstuben ist in einigen Landesregionen unzureichend. Insbesondere im nördlichen Bereich der atlantischen Region, z.B. Flechtlinger Höhenzug, Bartenslebener Forst und Lappwald fehlen gesicherte Wochenstubenquartiere. Dies trifft auch für den Fläming und die westliche Altmark zu. Durch gezielte Untersuchungen, Fang laktierender Weibchen und Besenderung / Telemetrie, können Kenntnislücken geschlossen werden.

 

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Arbeitskreis Fledermäuse Sachsen-Anhalt e.V. 2014