Wasserfledermaus - Myotis daubentonii


Die Wasserfledermaus ist in Sachsen-Anhalt eine weit verbreitete Fledermausart. Bei genauer Betrachtung der nachgewiesenen Vorkommen wird deutlich, dass es Regionen gibt, in denen nur Männchen leben, so z.B. an allen Fließgewässern im Harz und Harzvorland. In der zweiten Augusthälfte bis Ende August durchwandern jedoch die Weibchen und Jungtiere diese Regionen, um zu ihren „Schwärmquartieren“ zu gelangen. In dieser Zeit sind an den Fließgewässern im und am Harz Männchen und Weibchen vertreten. Selbst in den bekannten Reproduktionsgebieten an der Elbe, Havel, Saale und Mulde wurden neben den markanten Jagdgebieten der Wasserfledermausweibchen Jagdreviere nachgewiesen, welche nur von Männchen genutzt werden. Die Reproduktionsgebiete an den großen Talsperren im Harz,  Rappbodetalsperre, Wendefurter Talsperre und Überleitungssperre sowie am Kelbraer Stausee, sind umgeben von großräumigen Jagdgebieten der Männchen der Wasserfledermaus. Sachsen-Anhalt ist Reproduktionsgebiet und Durchzugsgebiet für die Wasserfledermaus. Es ist belegt, dass Tiere aus Mecklenburg-Vorpommern und aus Brandenburg die Harzer Schwärm- und Winterquartiere aufsuchen (maximale Entfernung 230 km). Mitte bis Ende August kommt es an den großen Fließgewässern in Sachsen-Anhalt zum Massenauftreten dieser Art. Mitte April erfolgt der massenhafte Ausflug der Wasserfledermäuse aus den Harzer Winterquartieren, so aus der Höhle Heimkehle und aus den Rübeländer Höhlen. Bei Fängen vor den Höhlen Heimkehle und vor der Hermannshöhle zur Schwärmzeit wurden jeweils über 1000 Individuen gefangen. In der Altmark befinden sich Eiskelleranlagen, so in Gardelegen und in Klötze, welche auch Wasserfledermäuse aufweisen, jedoch in geringer Individuenanzahl (zwischen 20 bis 30 Individuen). Der Schwerpunkt der Überwinterungsgebiete der Art liegt in den Gebirgen.


Wasserfledermaus im Winterquartier

Wasserfledermaus im Winterquartier

Jagdhabitat u.a. der Wasserfledermaus

Jagdhabitat u.a. der Wasserfledermaus















Die Zahl der nachgewiesenen Reproduktionsquartiere der Wasserfledermaus ist gering. Es besteht die Schwierigkeit, diese Quartiere zu finden. Die Wasserfledermaus hält sich hierbei oft in verlassenen Buntspechthöhlen und Fäulnishöhlen in 3 bis 15 m Höhe auf. Wenn derartige Höhlen gefunden wurden, ist immer noch nicht bekannt, ob es sich hierbei um eine Männchen- oder Weibchengesellschaft handelt. Sicherheit bringt nur ein Abfang mittels Fangharfe. Den bedeutendsten Reproduktionsbestand in Sachsen-Anhalt wird das Biosphärenreservat Mittelelbe aufweisen.

Die verschiedene naturräumliche Nutzung durch die Geschlechter der Wasserfledermaus in Sachsen-Anhalt (Männchen- und Weibchenjagdgebiete, Reproduktionsgebiete), ist im Nachweis nicht abgeschlossen. Für den Harz und sein Umfeld liegt dieses Wissen vor, wurde bislang aber noch nicht publiziert (Ohlendorf in Vorber.). Ausflugszählungen bei der Wasserfledermaus erweisen sich ebenfalls als schwierig, da die Art in großen Höhen ihre Quartiere haben kann und zudem oft das Baumquartier wechselt. Eine Größen bezogene Bestandseinschätzung ist für diese Art nicht möglich. Die eindeutigen Reproduktionsnachweise sind neben der Baumhöhlenerfassung nur durch Netzfänge Ende Juni bis max. 15. Juli möglich, da nur hier zweifelsfrei die laktierenden Weibchen einem begrenzten Umfeld, dem Reproduktionsgebiet, in einem mittleren Umkreis von 5 km, zugeordnet werden. Fänge nach dem 15. Juli belegen dieses nicht mehr eindeutig, da sich die Tiere dispers im Raum ausbreiten.

 

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Arbeitskreis Fledermäuse Sachsen-Anhalt e.V. 2014