Zwergfledermaus – Pipistrellus pipistrellus


Die Zwergfledermaus galt in weiten Landesteilen Sachsen-Anhalts als häufig. Mit der Aufspaltung der Zwergfledermaus in eine weitere Pipistrellus-Art, der Mückenfledermaus Pipistrellus pygmaeus, veränderte sich schlagartig das Bild der Verbreitung in Sachsen-Anhalt. Seit 2000 wurden die Pipistrellus-Arten getrennt. Die bekannten Reproduktionsquartiere der Zwergfledermaus wurden auf die Artzugehörigkeit in Sachsen-Anhalt geprüft. Die Zwergfledermaus hat somit Verbreitungsschwerpunkte im und am Harz, im südlichen Sachsen-Anhalt und in der Altmark unter Ausschluss der Flussniederungen. Frühere Vorkommen, z.B. im Elbtal und an der Mulde, stellten sich nun als Mückenfledermäuse heraus. Somit gehört die Zwergfledermaus nicht mehr zu den häufigsten Fledermausarten des Landes.  In einigen Regionen besiedeln

Zwergfledermäuse im Flachkasten

Zwergfledermäuse im Flachkasten

beide Fledermausarten, die Zwergfledermaus und die Mückenfledermaus, die Lebensräume sympatrisch. Vorkommen der Zwergfledermaus am Südostrand der Colbitz-Letzlinger Heide grenzen direkt an Vorkommen der Mückenfledermaus zum Urstromtal der Elbe an. In weiten Räumen jagen beide Arten, wobei die Zwergfledermaus weniger das Urstromtal und die Mückenfledermaus weniger die Colbitz-Letzlinger Heide bevorzugen. Die größte Häufung an Reproduktionsquartieren der Zwergfledermaus wird im Hügel- und Bergland erreicht, besonders im Harz (Ohlendorf 2003), hier ist die Art häufig.

Winterquartiere sind von der Art nur wenige bekannt. Wo die Harzer Zwergfledermäuse ihre Winterquartiere haben, ist nicht geklärt. Im Dom von Havelberg halten sich mehrere Hundert Individuen auf. Erfassungsdefizite gibt es besonders in der Dübener-, Klietzer- und Glücksburger Heide und in allen größeren Städten in Sachsen-Anhalt. Mit der Flutung von Braunkohletagebaulöchern entstehen Großgewässer, welche zu Veränderungen in den Populationen der Pipistrellus-Arten führen, die jedoch noch nicht untersucht wurden. Zwergfledermaus und Mückenfledermaus wurden während der saisonalen Wanderungen im Offenland unter Windkraftanlagen nachgewiesen.

Die festgestellten Vergesellschaftungen von Zwergfledermäusen in Reproduktionsgemeinschaften der Großen Bartfledermaus Myotis brandtii und der Rauhhautfledermaus Pipistrellus nathusii in Sachsen-Anhalt (Ohlendorf 1998, 2001)  sind als Mückenfledermäuse Pipistrellus pygmaeus zu korrigieren.

Die Art neigt wenig zu großen saisonalen Wanderungen, wird jedoch häufig unter Windkraftanlagen im Offenland im Jagdgebiet mit Gehölzreihen und in Gewässernähe gefunden. Schwärmquartiere sind bislang nur aus dem Dom Havelberg, dem stillgelegten „Diabastunnel“ Rübeland und der „Heuscheune“ im NSG „Bodetal“ bekannt.



 

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