Telemetriestudie an Myotis dasycneme (Teichfledermaus)

durch den Arbeitskreis Fledermäuse Sachsen-Anhalt e.V. bei Havelberg im Jahr 2014

 

SUNKDas für die Durchführung benötigte Material (Hochnetze, Telemetriesender und Fledermausklammern) wurde von der Stiftung Umwelt, Natur- und Klimaschutz des Landes Sachsen-Anhalt (S.U.N.K.) gefördert und ermöglichte somit die Realisierung des Projektes. Vielen Dank.

 

Für den aktiven Fledermausschutz ist die Kenntnis von Quartieren von hoher Bedeutung. Besonders die Wochenstuben sind für die Bestandsentwicklung der jeweiligen Fledermauspopulation ausschlaggebend. Mit Hilfe der Telemetrie ist es möglich, Fledermausquartiere zu finden. Nur wenn ein Quartier bekannt ist, kann es vor einer möglichen Zerstörung bewahrt werden.

 

Über das Vorkommen der Teichfledermaus (Myotis dasycneme) in Sachsen-Anhalt ist bisher wenig bekannt. Aus dem Norden Sachsen-Anhalts (Sommerlebensraum) und aus dem Harz (Winterlebensraum) lagen bislang nur Einzelnachweise ohne Reproduktionshinweis vor.
Innerhalb des Abendsegler-Camps 2013 des Arbeitskreises Fledermäuse Sachsen-Anhalt e.V. konnten erstmals Nachweise von reproduzierenden Weibchen und Jungtieren erbracht werden.
Ziel des Teichfledermausprojektes war es, die Wochenstube der in Sachsen-Anhalt seltenen Teichfledermaus (Myotis dasycneme) zu finden.

 

.

Teichfledermaus-Camp 2014 (┬® Uwe Pen╠âa) - DSC01601

besenderte Teichfledermaus (Myotis dasycneme) (Foto U. Pena)

 

In der Region Havelberg wurde vom 15.07.-20.07.2014 das Projekt mit Hilfe von 13 Teilnehmern, die aus ganz Deutschland angereist waren, durchgeführt. Dabei konnte auf die Erfahrung und auf das Material wie Netze und Telemetrieausrüstung der Teilnehmer zurückgegriffen werden. Das Projekt wurde von der Landesreferenzstelle für Fledermausschutz Sachsen-Anhalt begleitet.

 

Mit einem V3 – Sender der Firma Telemetrieservice Dessau wurden die gefangenen Jungtiere der Teichfledermaus (Myotis dasycneme) besendert und mittels Scanner (ICOM ICR20) und Peilantenne (4 Element Yagi) gesucht. Als Quartier konnte ein Garagendachboden ermittelt werden, der sich als Wochenstube herausstellte.  Demnach handelt es sich um die erste Wochenstube der Teichfledermaus (Myotis dasycneme) in Sachsen-Anhalt. Die Kolonie existiert schon ca. 20 Jahre und die Eigentümer stehen den Fledermäusen und dem Quartier positiv gegenüber.

.

IMG_1480

deutliche Kotspuren an den Hangplätzen in der Wochenstube der

Teichfledermaus (Myotis dasycneme) (Foto B. Ohlendorf)

 

Das Quartier wurde in der unmittelbaren Umgebung abgefangen. Bei dieser Fangaktion konnten alle 30 Teichfledermäuse (Myotis dasycneme) gefangen werden (13 laktierende Weibchen, 10 junge Weibchen und 7 junge Männchen). Des Weiteren befanden sich, neben den von der Projektgruppe besenderten Tieren, vier beringte laktierende Weibchen im Quartier. Ein Wiederfund wurde am 18.08.2013 an einem Fels-Schwärmquartier in Bad Grund/Harz von W. Rackow und Dr. J. Haensel markiert.

 

Da es möglich war, die Sendertiere erneut zu fangen, wurden die Sender wieder von den Fledermäusen entfernt, um die Beeinträchtigung für die Tiere so gering wie möglich zu halten.

.

P1250880 P1250881 P1250882 P1250885 P1250886

Entfernung des Senders von einer besenderten Teichfledermaus (Myotis dasycneme)

(Fotos M.Starrach)

 

Zusätzlich zu den Teichfledermäusen (Myotis dasycneme) wurden innerhalb des Projektes 427 Individuen aus 11 Fledermausarten gefangen. Zu den Hauptfangarten gehörten Eptesicus serotinus, Nyctalus noctula, Myotis daubentonii und Pipistrellus nathusii.

.

IMG_1483

an der Wochenstube angrenzendes Gewässer (Foto B. Ohlendorf)

 

 

Ektoparasiten der Fledermäuse in Sachsen-Anhalt

Erfassungsprojekt 2010 – 2013

 

In einem andauernden Projekt zur Erforschung der Biodiversität in Sachen-Anhalt werden ektoparasitisch auf Fledermäusen lebende Wirbellose gesammelt. Diese spezielle Fauna umfasst sowohl Fledermausfliegen, -flöhe und Plattwanzen, als auch Flughautmilben und Zecken. In der Vergangenheit erfolgten Nachweise von Fledermausektoparasiten diskontinuierlich und Verbreitungsangaben sind lückenhaft, sodass einige Arten wohl als „verschollen oder ausgestorben“ gelten müssen – dabei gehören einige mutmaßlich zu den seltensten Tierarten Mitteleuropas.

Seit Beginn der Aufsammlung im Jahr 2010 konnten etwas mehr als 1000 Fledermäuse (20 Arten) untersucht werden.

 

EktoparasitenProjektSA_MTB2010-13

Grafik: O. Lindecke

 

Die Beprobung erfolgt während nächtlicher Netzfänge, bei Kasten- und Winterquartierkontrollen. Bei nur vier von 65 Netzfängen (Stand 2012) wurden keine Parasiten nachgewiesen, was die Effektivität verdeutlicht. Die Untersuchung von Totfunden, v. a. Schlagopfern, ist vergleichsweise weniger ergiebig, da die meisten Ektoparasiten hoch mobil sind und den Wirt nach dessen Tod verlassen. Die Beprobung im Zuge der FFH-Ersterfassung der Fledermausarten des Landes erweist sich als geeignet im Sinne des Projektes, da sie in einem vergleichsweise kurzen Zeitraum in ganz Sachsen-Anhalt durchgeführt wird und flächendeckend angelegt ist (Kooperation mit MYOTIS – Büro für Landschaftsökologie, Halle). Die Bestimmung der Parasiten erfolgt in Zusammenarbeit mit Dr. I. Scheffler (Univ. Potsdam).

 

 

Indivduen-Artenzahl

Grafik: O. Lindecke

 

 

Die Auswertung der Funde aus dem Jahr

2010 kann hier gelesen werden. Weitere Veröffentlichungen sind in Arbeit. Die Aufsammlung wird im Zentralmagazin Naturwissenschaftlicher Sammlungen der Univ. Halle-Wittenberg etabliert.

 

 

 

 

 

 

Fledermaus-Tollwutmonitoring in Sachsen-Anhalt

 

 

Dr. Müller (links, Friedrich-Löffler-Institut) bei der Probenentnahme (Foto: B. Ohlendorf)

Dr. Müller (links, Friedrich-Löffler-Institut) bei der Probenentnahme (Foto: B. Ohlendorf)

Monitoring: Aktive und passive Surveillance-
Untersuchungen zum Vorkommen von Fledermaustollwut in Sachsen-Anhalt

 

In Zusammenarbeit mit dem Friedrich-Löffler- Institut, Bundesforschungsinstitut für Tier- gesundheit (Standort Wusterhausen); dem Landesamt für Verbraucherschutz Sachsen- Anhalt, Fachbereich Veterinärmedizin (Stendal) sowie der Landesreferenzstelle für Fledermausschutz Sachsen-Anhalt und dem AK Fledermäuse Sachsen-Anhalt e.V. wurde 2007 ein Monitoring zur Fledermaustollwut begonnen. Dieses Monitoring wird jährlich weiter geführt. Ein Kurzbericht zur aktuellen Situation der Fleder- maustollwutforschung  in Deutschland finden sie hier (vorgestellt auf der Mitglieder- versammlung im November 2009).

 

 

 

Neue Fledermausarten in Sachsen-Anhalt

 

Nymphenfledermaus (Foto: B. Ohlendorf)

Nymphenfledermaus (Foto: B. Ohlendorf)

Alpenfledermaus (Hypsugo savii) und

Nymphenfledermaus (Myotis alcathoe)

Bisher kamen in Sachsen-Anhalt 19 Fledermausarten vor, nach neusten Forschungen & Untersuchungen müssen 2 neue Arten hinzugezählt werden:
die Alpenfledermaus und die Nymphenfledermaus.

Den Bericht dazu finden Sie hier.

 

 

 

 

Neue Karsthöhle in Sachsen-Anhalt

 

Blick aus der Ankenberghöhle (Foto: B. Ohlendorf)

Die Ankenberghöhle im Biosphärenreservat
‘Karstlandschaft Südharz’

Mit dem ausgehenden Winter 2006/07 kam es zu einer Bruchsituation und damit zur Höhlenneubildung am alten Bachbett zur Ankenbergschwinde.
Inzwischen ist eine Höhle entstanden, die bereits von Fledermäusen genutzt wird.

 

 

________________________________________________________________________

zum Seitenanfang / Home



 

Impressum

Arbeitskreis Fledermäuse Sachsen-Anhalt e.V. 2014